Schmerz lass nach!

„Schmerz lass nach!“, so hätte unser drittes Buch in der Reihe „Ein spirituelles Willkommen“ auch heißen können. Zusammen mit Gregor Geißmann habe ich mir vorgenommen, die „spirituelle Sicht“ abseits der Wellnesszonen auch auf die eher problematischen Bereiche unseres Hierseins anzuwenden.

Im ersten Buch haben wir unter anderem auf die Krankheit „Demenz“ geschaut, im zweiten auf das Phänomen „Angst“, und jetzt soll die abenteuerliche Frage beantwortet werden, ob sich allein die Änderung der eigenen Sichtweise lindernd oder gar heilend auf den „Schmerz“ auswirken kann, unabhängig davon, auf welcher Bühne er sich zeigt. Ob Knieschmerz oder Trennungsschmerz: Können wir den Widerstand gegen den „Quälgeist“ für einen Moment ablegen und damit eine Heilquelle offenlegen, die uns im Kampf gegen den Schmerz verschlossen bleibt?

Unsere Buch-Homepage: http://www.spirituelles-willkommen.de

❤️✌️🤓🌷

Ausblick ins Glück

Muss ich mal erzählen: Gestern geh ich so im Park spazieren, über die Wiese, am Teich entlang. Da hat der Sturm einen mächtigen Baum umgeweht, sie haben ihn schon auseinandergesägt. Sein gesamtes Wurzelwerk ist zu sehen, er hat es im Fallen komplett aus der Erde rausgehebelt. Beeindruckendes Bild, ich will es fotografieren, denke aber dann: Nö, heute nicht, ist mir irgendwie zu negativ, ich brauch zur Zeit andere Bilder!

In der Ferne sehe ich eine ungewöhnliche Szene: Eine alte Frau verlässt mit ihrem Rollator den Gehweg und hoppelt über die Wiese zu einem Baum, den sie offensichtlich fasziniert anschaut. Im Näherkommen seh ich, wie sie sich äußerst vorsichtig von ihrem Rollator löst, ihr Smartphone aus der Tasche holt und es langsam mit beiden Händen haltend nach oben in Richtung Baumkrone heben will. Dabei wackelt sie bedenklich und hält mit der Bewegung immer wieder inne wie ein Seiltänzer, der sich wieder kalibriert, bevor er weitergeht. Aber man sieht ihre Entschlossenheit, sie WILL dieses Foto machen! Jetzt gelingt es, sie bringt das Handy in die richtig Position – und sieht dabei für einen Moment aus wie eine junge Ballerina im Spitzentanz: federleicht, beweglich nach allen Seiten, mit allen Fasern ihres Körpers in perfektem Einklang … und es klappt, das Foto ist gemacht! Sie kommt wieder zurück in ihre gewohnte Form, wird wieder eine alte Frau, die sich zaghaft und vorsichtig zu ihrem Rollator zurücktastet.

Ich bin jetzt auf ihrer Höhe und sehe, dass sie, während ihre eine Hand nach dem Rollatorgriff sucht, mit einem überglücklichen Gesicht auf ihr Handy schaut, das sie in der anderen Hand hält.

Ich sprech sie an und frage: „Na, knospt es schon?“

„Wie bidde???“, ihr Gehör ist offenbar nicht mehr das beste. Ich wiederhole erheblich lauter:

„Sieht man schon die ersten Knospen?“

Sie schaut mich ganz milde lächelnd an, aber doch so, als hätte ich einen an der Marmel.

„Müssen Sie mal nach oben gucken!“, sagt sie und hat ja recht, blöde Frage!

Und dann stehen wir beide nebeneinander und schauen nach oben, sehen die ersten weiß-rötlichen Knospen der Kirsche und wissen, glaub ich, für diesen Moment beide, wofür wir hier in der Welt sind: Wir sind miteinander glücklich! 💖 ✌️ 🤓 🌷

 

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Liebe und Angst

Ich hab mich schon immer gefragt, wie es beispielsweise sein kann, dass mir – jetzt schon seit Monaten – unmittelbar vor den „heute“-Nachrichten die unersprießliche Botschaft überbracht wird, meine mir suggerierte und wahrscheinlich schon unaufhaltsam fortschreitende Zahnfleischentzündung sei durch eine spezielle Zahnpasta doch noch zu stoppen. Wieso schreit die Nation nicht auf bei solchen geistigen Untaten, die uns, noch vor den „realen“ Schreckensbildern des Tages, mit solchen Bildern das Wasserzeichen der Angst auf die Leinwand unserer Wahrnehmung stempeln? Kann man doch mal fragen. Wieso machen wir sowas und wieso machen wir das mit?

Offensichtlich wird doch darauf gesetzt, dass wir in einem empfundenen Mangelzustand – Hunger, Schmerzen, Krankheit, Verlust etc. – nur ein einziges Reaktionsmuster zur Verfügung haben: Wir halten Ausschau nach dem, was die Lücke füllen, das Loch stopfen oder den Riss kitten kann. Und sind dann eben auch dankbar, wenn einer mit einer Zahnpasta kommt, die alles kann außer Kaffee kochen. Auch wenn wir gar keine Probleme mit den Zähnen und ihrer Umgebung haben – die könnten ja schließlich noch kommen. Karl Valentin wusste es besser: „Ich hatte tausend Probleme und keines davon ist eingetroffen“.

Da sind wir offensichtlich zu „kriegen“. Bei der Angst. Das wissen alle Mächtigen und alle, die was verkaufen wollen. Sex sells, Angst auch.

„Liebe“ – wenn man das jetzt mal so sagen will, als Versuch, da irgendwas zu verstehen – also Liebe könnte man ja begreifen – wenn man sie wiederum ganz weit fasst, also gaaanz weit – als sozusagen den Stoff, der mein Leben zu einem „heilen Leben“ macht. Und Angst ist dann das Gefühl, dass mir gerade zu viel von diesem Stoff verloren geht und ich aufpassen muss, dass ich da nicht total auslaufe, also quasi liebeleer, vom „Leben“ abgeschnitten werde. Wenn mir beispielsweise jemand auflauert, nicht etwa, um meinen Vorrat an Liebesstoff zu erhöhen, sondern um mir eins über die Rübe zu geben. Oder wenn ich verlassen werde von jemandem, den bzw. die ich gerade noch „meine Liebste“ genannt habe. Dann hab ich doch auch das Gefühl, dass sie den Liebesstoff im Übermaß mitnimmt und nichts mehr für mich übrig lässt. Und wenn eine Krankheit mich anfällt, ruf ich ja auch nach Hilfe, okay, ich ruf nicht so direkt nach „Liebe“, sondern eher nach dem Arzt, aber letzlich ….

Da kann man die Zahnpasta einreihen, oder? Liebe kommt da mit Pfefferminzgeschmack, da gibt es ja alle Richtungen!

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Ist natürlich alles nur ein Gedankenspiel rund um das Axiom, dass man sowas wie „Liebe“ als „Heilstoff an sich“ ansehen kann. Als etwas, das alles zusammenhält. Und dass eben Angst grundsätzlich das Gefühl ist, ein Mangel an diesem Stoff drohe wesentlich zu werden.

Also den Mangel ausgleichen mit einem Mehr an dem, was fehlt – das hat Logik!

Nur, wenn man jetzt noch eine weitere Vorraussetzung macht, dass nämlich „Liebe“ an sich ein Stoff ist, der von seinem Wesen her eines ganz bestimmt nicht kann und will: sich begrenzen lassen, dann hat man ein Problem.

Dann ist man in der prekären Situation, etwas in seinen als mangelhaft empfundenen „Ich“-Raum hineinziehen zu wollen, was „Räume“ überhaupt nicht kennt, eben weil es keine Grenzen kennt.

Und jetzt stell ich einfach mal die Frage, damit die Sache wenigstens logisch rund wird: Könnte es sein, dass dieses permanente Ziehen und Zerren an dem, was uns vollständig machen soll, genau das ist, was unser Mangelgefühl auslöst? Und dass ein herzliches Lachen über den Versuch, uns Angst als Bedingung für den Erhalt des Heilmittels, welches dieselbe Angst wieder beheben soll, verkaufen zu wollen, … also jedenfalls vor Zahnfleischentzündung wesentlich besser schützt als die Zahnpasta von Dr.X?

Wie wärs mit einer einfachen Einladung an unser Universalheilmittel, in unsere „Mangelräume“ einzutreten? Nicht, um sie mit einer Spachtelmasse zu reparieren, sondern um uns zu helfen, die Grenzen, die wir permanent zwischen uns und den Dingen, aber vor allem ja untereinander ziehen, behutsam aufzuheben? Also quasi das Grenzenlose ins Begrenzte einzuladen, um uns zu lehren, was von beidem denn jetzt wahr ist.

Also nur mal so, als Idee.

 

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Hört mir hier eigentlich jemand zu ??

Ist dieses Gefühl noch bekannt?: „Mir hört mal wieder niemand zu!“. Oder: „Ich werde mal wieder nicht wirklich wahrgenommen!“ In Zeiten der digitalen Totalvernetzung sind diese traurigen Momente, in denen die Frage aufkommt, ob es mich überhaupt gibt und wenn ja, warum, vermutlich sehr viel rarer als früher, wo sie einem beispielsweise auf dem Weg zur gelben Telefonzelle widerfahren konnten. Heute ist ja das Handy schneller gezückt als die Frage gestellt und präsentiert mir meinen jeweils auf die Situation passenden Avatar, dem das Gehört- und Gesehenwerden bereits werkseitig einprogrammiert worden ist. 😳

Nun gut, trotzdem: Hin und wieder mag es diese Momente noch geben. Den ein oder anderen bringt die dabei aufkommende Kernfrage: „Wer bin ich eigentlich?“ sogar heute noch dazu, eine Höhere Instanz in dieser Sache befragen zu wollen. Zu diesem Zweck stellen sich solche Angehörigen der aussterbenden Gattung „homo philosophicus“ in experimenteller Neugier vor, es gebe eine uns alle umgebende Macht oder Kraft oder Wesenheit – etwas in der Art – die grundsätzlich, also prinzipiell und ausnahmslos mit Liebe auf alles schaut, was man ist und was man tut, wie man aussieht und was man sagt. Also auch liebevoll zuhört – das ist ja ganz wichtig, es wird ja wohl niemand bestreiten, dass wir eine Menge Müll reden, bis der Tag vorbei ist. 🪣

Dolle Idee – hab ich natürlich ausprobiert – es geht einem davon schon gleich viel besser mit der Frage, wo man eigentlich hingehört und was man hier überhaupt soll. Das hat was Gütiges, Vergebendes, wie gesagt: Bei dem ganzen Wirrwarr, den man stiftet und den ungezählten Füßen, auf die man jeden Tag tritt – so eine kontinuierliche Zuneigung, die sich durch nichts davon abbringen lässt, mit einem liebenden Herzen zuzuschauen und  zuzuhören, das hat schon was.

Jetzt kam mir heute Morgen ganz spontan eine Idee, und ich dachte, die schreib ich mal hier auf, vielleicht findet sie jemand anderer ja auch interessant. Was zum Nachmachen.

Ich hab einfach mal diesen freundlichen Zuschauer und -hörer etwas näherkommen lassen. „Etwas ist da, das mich anschaut, 😎 etwas ist da, das mir zuhört“ 🎧 … und da war plötzlich der Gedanke in mir:

***„Etwas ist da, das mir zudenkt“***  🤔

Eigenartiger Ausdruck, aber er hatte den Effekt, dass diese liebevolle Anwesenheit wie in mich reingeplumpst ist. Um es mal so zu sagen. Hinterher ist mir klargeworden, dass Worte, mit denen ich Gesehenes und Gehörtes „begreife“, immer noch so etwas wie einen Anfangsimpuls haben, den ich bisher im Schatten meines Betrachtetwerdenwollens gehalten hatte. Mein „Wille“, so könnte man auch sagen. Mein Wille, der immer etwas will, etwas Spezielles, zumindest etwas sagen oder denken will. Und dabei will er die Richtung vorgeben, die Nase irgendwie vorn behalten, ein bisschen mehr recht haben zumindest mal. Als was? Egal, ein bisschen mehr recht haben eben. Jedenfalls nicht betrachtet werden im Rechthabenwollen, ganz klar, weder liebevoll noch sonstwie. Und das mal kurz aufgeben und mich und meinen vorlauten Willen einen Moment lang stille sein lassen. Nur, wie gesagt, experimentell. Erfrischend, sag ich dir!

Und wer das jetzt bekloppt findet, hat selbstverständlich – äh … recht! ✌️🤓🌷

 

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