Fraglos

Ich hatte eine Frage an die Welt,
Als Kind, kaum dass ich irgend was verstand,
Ich hab’ sie dennoch tausendfach gestellt,
Man hat als Frage sie nicht anerkannt.

So sank sie denn als zarter Keim,
Und hoher Schnee bedeckt’ sie lange Zeit,
Tief in das Erdreich des Vergessens ein,
Fand Fragenden gleich wie Befragte – unbereit.

An selber Stelle wuchs in spät’ren Tagen,
Als Lebens Sommerwärme schmolz den Schnee,
Der Baum der abertausend Fragen,
Die Welt gab Antwort jeder und ich sagte: „ich versteh´!“

Doch als der Sturm durch all das Wissen fegte,
So mancher reich verzweigte Ast zerbrach,
Und da der Wind sich endlich legte,
Blieb wiederum die eine Frage ohne Antwort nach.

Da ging ich auf die Knie,
Und wortreich trug ich sie dem Himmel vor,
Doch hörte ich kein „Siehe!“,
Und keine weisen Worte kamen her vom Himmelstor.

Doch eben als ich traurig meine Frage
Aus dem Sinn mir streichen will,
Ist es, als ob ich selbst mir wortlos sage:
„Schon immer ist die Antwort Dir – fraglos und still“.

*

3 Gedanken zu “Fraglos

  1. Das Kind denkt, „außen“ sei die weite Welt,
    Und „innen“ sei in seinem Leibe
    Und seinem Denkempfinden. Und es stellt
    Sein’ Fragen dem, das um ihn bleibe.

    Das nennt es ‚Welt’ und nimmer es bemerkt,
    Dass sie nur ist in seinem Denken.
    Und das, was scheinbar all um ihn bewerkt,
    Sind Kräfte, die kein’ Antwort schenken.

    Doch eine Frage ist besonders groß:
    „Warum bin ich in diesem Leiden?“
    Trotz aller Worte blieb sie antwortlos,
    Im allgemeinen Geistvermeiden.

    Dies wird getan im Gange in die „Welt“,
    Die scheinbar reicht in große Weite.
    Und doch sie ist nur Traum, der einst zerfällt; —
    Der Geist lebt in des Kindes Seite.

    Wenn dorthin es besinnet sich in Ruh’,
    Es findet Antwort auf die Frage,
    Die es bedrängte arg und immerzu:
    „Ohn’ Liebe „Welt“ bringt Leid zu Tage.“

  2. Es macht mich unendlich dankbar, wenn man Fragen erlebt und diese letztendlich als Stützen des eigenen Lebens erfahren darf. Braucht man denn immer Antworten? Sind es nicht auch die Fragen, die uns leise zuflüstern: Du bist nicht Dr. Faustus, Du kannst und sollst es gar nicht sein. Stattdessen: Denk‘ an mich und vergiss mich nicht!

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