Monat: Juni 2014

Athem

Diesen Mut, den mein‘ ich, wenn der Grashalm
Zwischen Pflastersteinen seinen Weg sich
hin zum Lichte sucht,
Und sich noch verneigend vor den Stiefeln, die sich nähern,
Nur vom Wind sich beugen lässt,
Der aus der selben Kraft gespeist wie er.

Diese Träne wein‘ ich, mit dem Menschen,
Der sein Liebstes aus den Händen geben muss,
Und auf die Knie gesunken lass‘ ich sie gemeinsam mit der seinen
Dorthin fallen,
Wo Leben ewig Athem schöpft, lass‘ sie dem uferlosen Meer.

In der Liebe eint sich, was gebrochen,
Seelenlos am Boden schon zu liegen schien,
Niemals wird das Leben zwischen Dir und dem, was Du verloren glaubtest,
Niemals wird die Liebe diese Grenze zieh’n!

*

Zuinnerst

Ich kenne einen Ort, so weit und schön,
Dass nicht einmal mein Staunen ihn noch säumen kann,
Ach, würd‘ ich jeden Tag ihn wiederseh’n!
Doch Glück’s genug: ich schau‘ ihn, dann und wann.

Was mir gelungen, was mir brach,
Wovon mir träumte, dass ich’s sei, ob gut, ob schlecht,
Hier wird’s an selber Quelle heilend eins und wach:
An diesem Ort nur werd‘ ich, wenn ich sag‘: „ich bin“, mir selbst gerecht.

Indes hab‘ ich ihn nicht allein gefunden,
Und einsam bleiben werd‘ ich niemals dort:
Mit Dir auf ewig hier verbunden,
Kam nur durch Deine Liebe ich an diesen wunderbaren Ort.

*