Zuinnerst

Ich kenne einen Ort, so weit und schön,
Dass nicht einmal mein Staunen ihn noch säumen kann,
Ach, würd‘ ich jeden Tag ihn wiederseh’n!
Doch Glück’s genug: ich schau‘ ihn, dann und wann.

Was mir gelungen, was mir brach,
Wovon mir träumte, dass ich’s sei, ob gut, ob schlecht,
Hier wird’s an selber Quelle heilend eins und wach:
An diesem Ort nur werd‘ ich, wenn ich sag‘: „ich bin“, mir selbst gerecht.

Indes hab‘ ich ihn nicht allein gefunden,
Und einsam bleiben werd‘ ich niemals dort:
Mit Dir auf ewig hier verbunden,
Kam nur durch Deine Liebe ich an diesen wunderbaren Ort.

*

6 Gedanken zu “Zuinnerst

  1. Wunderschön. Und daß Sie es wagten, Selbstgerechtigkeit zu loben, finde ich famos. Sich selbst gerecht werden, ist ein hehres Ziel, was nur so oft mißgedeutet wird. Herzlichst, Ihre Frau Knobloch.

    1. Wenn Sie wüssten, verehrte Frau Knobloch, wie mich dieser Kommentar von Ihnen freut! Wenn man, auch sprachlich, unters Glatteis unserer Kommunikation will, weil man sich deren warme Quelle wieder erschließen möchte, dann muss man zunächst auf’s Glatteis. Und genau da schlittern wir meist aneinander vorbei!
      Herzlichen Dank, dass Sie höchst selbstgerecht mit mir aufs Schlittern verzichtet haben.
      Ihr alltäglich in diesem Sinne Philosophierender

      1. Oh, was für ein erbaulicher Kommentar! Ich flitsche ja ganz gerne über’s Silbenglatteis, aber rutsche ungerne aus.
        Beim nochmaligen Lesen Ihres Wunderfeinpoems fiel mir noch etwas auf. Die fremde Liebe war der Wegweiser hin zum Orte der Eigenliebe. Ermöglichte diese also erst. Von Eigenliebe, auch sprachlich oft sehr falsch eingesetzt, schlägt sich wie von selbst(!) der Bogen zum Eigennutz. Ich kann nur mir zu Nutze sen, wenn ich nützlich bin, auch für andere. Leider wird das oft wiederum ausgenutzt. Aus-genutzt…

        1. Die Liebe eines anderen war der Wegweiser zum einzigen Ort, an dem wir uns wirklich begegnen, ja. Und wenn ich mich öffne für andere Menschen, eben weil ich auf diesen Ort nicht mehr verzichten will, so ist das bestverstandener Eigennutz, da bin ich mit Ihnen einig. Und auch darin, dass dies nicht ganz unproblematisch ist, weil Öffnen ein Niederlegen der Abwehr bedeutet und als Schutzlosigkeit missgedeutet wird. Aber ich behaupte, dass eine echte Öffnung, ein Erkennen des anderen sozusagen als Weggefärten, wenn man dabei bleibt, auch wenn’s äußerlich nicht gerecht zugeht, der bessere Schutz ist. In dem Moment, wenn man sich nicht mehr selbst verloren gibt in dieser Sache, vermittelt sich das und schützt auf eigene Weise. Da hilft das Leben selbst, weil es diese Sichtweise liebt – wäre mein, zugegeben schon wieder leicht poetischer Gedanke dazu.

          1. Ich liebstehle mir gernst diesen Leichthauchpoesiegedanken, weil er so wahrtröstlich ist. So kann wohl nur ein Luftzumathmenholer schwebendhauchig das Leben sehen. Ich danke Ihnen.

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