Trompetensolo

Lang‘ noch vor dem ersten Ton,
Ewigkeiten lang‘,
All die schweigenden Gesichter warten schon,
Kommt der Zweifel, und Dir wird eigenartig bang.

Hundertfach ist’s Dir gelungen,
So vertraut ist Dir das Stück,
Hast es leicht und mühelos gesungen,
Eins mit der Trompete, Deinem Inbegriff von Glück.

Heut‘ jedoch füllt Angst den Raum
Zwischen Dir und dem Gefährten,
Was, wenn unser Glück wär‘ nur ein Traum,
Was, wenn all die Leute unser’n Ton nicht hörten?

Da fühlst Du Deine Hände ohne Leben,
Die Trompete kalt, ein fremdes, totes Ding,
Doch spürst durch das Metall ein bittendes Erbeben:
„Steh‘ auf, steh‘ auf, mein Freund, und sing‘!“

Niemandes Kind, niemandes Sohn,
Erinnerst Du den lichten Raum ohn‘ Angst und Zorn,
Und immer lang‘ noch vor dem ersten Ton,
Weißt, was Dich hören wird, und machst den einen Schritt nach vorn.

*

16 Gedanken zu “Trompetensolo

  1. Ich finde es wunderbar, den Menschen Töne, sei es ein Instrument oder die eigene Stimme zu schenken. Ein Raum voller Stille und dann diese Töne… Sag, Michael, spielst du etwas Trompete, wenn ich fragen darf?

  2. Seit eben! 🙂
    Nein, ich kalimpere etwas auf dem Klavier. Aber ich habe mich entschlossen, einen Roman zu schreiben, grobes Thema Schule als Brennpunkt gesellschaftlicher Kommunikation, ein heißes Pflaster mit viel Stoff zum Erzählen und Überdenken. Der Titel soll „Trompetensolo“ sein und dies Gedicht ist sozusagen der Keimling, über dem das Buch wachsen soll. Mal schau’n, ich hab‘ keine Ahnung, ob ich das kann, aber ich will.

  3. Sehr gerne, Michael!
    Wäre Hamburg näher, würde ich sofort zum nächsten Infoworkshop einladen.
    Ich finde deine gewählte Thematik äußerst interessant und dass in dem „Trompetensolo“ auch unter den Gesichtspunkten ganz viel Botschaften zu finden sind.

  4. Liebe Maribey
    Sei nicht traurig das ich
    das Exemplar No1 ,von
    Michaels nächstem Buch
    schon reserviert habe.
    Natürlich, weil ich weiß, daß
    er das kann.
    L.G.Mirso
    (:

      1. Wie gut, daß ich immer gernst noch mal querlese, mein lieber Michael. Sonst wäre mir Spottnase ja eine Steilvorlage entgangen. Haha, der ist gut: „Das Buch wird wegen voraussichtlicher Unlesbarkeit über eine Auflage von zehn Stück nicht hinauskommen.“ Ein köstlicher Ulk ist Ihnen da gelungen, Sie sehen mich angemessen schalllachend. Wohl ein Hasseröder zuviel getrunken? Und nö, ich reserviere nicht, spätestens bei der Zwotauflage werden Sie’s uns glauben, daß dieses nicht nötig war.
        Herzlichst, Ihre Frau Knobloch, zugeneigt.

        1. Sie kriegen sowieso eins für umme aufgezwungen, Frau Knobloch, da hilft Ihnen auch kein Hasseröder nicht. Und wenn Sie sich weigern, lass‘ ich Sie in dem Buch auftreten, Frau Maribey ist ja auch kwasi schon drin als Glückslehrerin. Hihi, das ist herrlich in dieser Phase, wo das Ding nur als Vorhaben existiert, da kann man schön rumphantasieren.
          Seien Sie mir herzlich gegrüßt,
          Michael

          1. Ha! ZwingenSe ruhig, ich kaufe mir dann trotzdem welche zum Verschenken, wenn Frau Maribey drin ist, erst recht! Und ob ein Buchauftrittsantrag das richtige Druckmittel bei Verweigerung ist, ich weiß nicht recht. Ich meine, als Personenvorlage in einem echten Feuser… huh, Sie sehen mich angemessen hautwellen.
            Einen Schönstsonnensamstag Ihnen, ich darf auch bald raus, juchu, Ihre Frau Knobloch, zugetan, abersowasvon!

  5. Unter Musikliebenden: „Die Stille vor dem Tone…“
    Ein andächtiger, nahezu heiliger Nu!
    Und wer das Stück, die Aufnahme, die Einspielung schon kennt, der empfindet sich vor dem Beginne der Composition wie vor dem Geküsstwerden von einem geliebten Menschen.
    Wieso denn nun aber als Titel des Geschriebenen, noch zu schreibenden Romans „Trompetensolo“? Ich für meinen Teil finde diesen Titel geradezu congenial, weil meine musikalische Ausbildung im zarten Alter mit etwa fünf Jahren mit einer LP des Solo-Trompeters Nini Rosso begann, als mein leiblicher Vater mich zu den Stereo-Klägen dieser LP das Pfeifen lehrte. Aber das konntest/kannst Du ja doch wohl nicht wissen, mein Lieber. Oder doch?

    🙂

    1. Diese Episode deines Musikerlebens war mir bis jetzt tatsächlich unbekannt, mein leiber Achim! Dann nehme ich das erfreut als gutes Omen für mein Vorhaben. Die Titelidee kam mir, als ich eine Schülergeschichte hörte. Das Solo steht in der Realität noch aus und hat für das entsprechende Kind eine enorme Bedeutung.
      Jetzt also, mit deinen brüderlichen Assoziationen steht der Titel endgültig fest.
      Danke dir
      Michael

      P.S.: bin in deinem Buch auf Seite 217! Da bleibt ja wieder kein Stein auf dem anderen! Spannend!

      1. Das freut mich, dass ich allso zu der Titelwahl beitrage! Und dass „Kein Stein auf dem anderen“ bleibe, klingt apokalyptisch spannend. Bin hochgespannt auf Deine nächsten Worte, mein lieber Michael!

Schreibe eine Antwort zu maribey Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s