Wartezimmer

Die Luft zum Schneiden,
Athmen, so unauffällig, wie man kann,
Blicke suchen andere zu meiden,
Warten, warten, warten bis man dran.

Überall wahrscheinlich Keime,
In gefährlicher Mission,
Weit entfernt vom Nachbarn ganz alleine,
Eine Stunde oder länger schon.

Mit einem kleinen Lächeln ein Gedanke,
Wo kommt er her, wo will er hin?,
Durchdringt er jede selbsterdachte Schranke:
„Wie gut, dass ich von Dir noch anzustecken bin!“

*

12 Gedanken zu “Wartezimmer

  1. Du hast schon viele Leute angesteckt.
    Deine Fans die auch ständig auf was
    neues ,was schönes,was witziges oder
    philosophisches warten müssen. Warten ist
    meistens lästig, doch wenn es sich um dich handelt,
    bzw. deine „Werke “ wird man immer belohnt.
    L.G.
    Mirso

    1. Hallo Marga,

      Schön wär’s? Nein, find‘ ich eigentlich gar nicht.
      Bei „sportlich“ fällt mir ein: das hat immer was mit Siegen und Verlieren zu tun. Es gibt aber eine Ebene des Erlebens, auf der Siegen und Verlieren keine Kategorien sind, und die Dinge – genau deswegen, könnte man sagen – eine andere Bedeutung haben im Vergleich mit einer „ausgemalten“, sich nach unseren Wünschen richtenden Wahrnehmung.
      „Anstecken“ z.B.
      Angesteckt sein von dem, was ich wirklich mit dir teilen kann: dein Ganzsein, dein Heilsein, deine Schönheit und Unversehrtheit, deine unkaputtbare Geborgenheit: hast du so schon mal beispielsweise auf einen völlig „heruntergekommenen Obdachlosen“ geschaut, der vielleicht bestialisch stinkt, wenn du dich ihm näherst? Das kleine Mädchen, das dich „grundlos“ anlächelt, macht es dir leichter, da teilt man gerne und spontan. Man weiß z.B., dass die Pestärzte in aller Regel nicht infiziert wurden. Worauf haben sie geschaut? Was haben sie mit den Patienten geteilt, während sie geholfen haben? Vielleicht waren sie auch angesteckt von dem Gedanken eines Siegen und Verlieren nicht kennenden Lebens.
      Danke für deinen inspirierenden Einwurf.

      Michael

      1. Danke, Michael, für deine Gedanken zum Begriff „sportlich“. Das nehme ich gerne als Anregung, diesbezüglicher achtsamer oder genauer zu sein.

        Ansteckung in Bezug auf Ganzsein, Heilsein, Schönheit oder Unversehrtheit ist eine ganz wunderbare Verbindung. Danke auch dafür. Das nehme ich ganz bestimmt mit.

        Mütter stecken sich auch nicht an, wenn sie ihre Kinder oder Partner pflegen. Das finde ich schon lange einen wichtigen Punkt. Wer steckt sich an, wer nicht? Warum?

        Kinder machen es einem tatsächlich leichter. Auch da denke ich nach. Warum es leichter ist. Ob es verunmöglicht werden kann. Welche Rolle ich dabei spiele, welche das Gegenüber.

        Dein Text ist sehr dicht und groß.
        Danke,
        Marga

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