Kleines Gespräch über einen vakuumverpackten Gott

„Man hat sich in meinem Freundeskreis schon gewundert, warum ich in letzter Zeit so viel von Gott spreche: ich sei doch eigentlich sehr intelligent!“
Sie lacht hell auf: „Eigentlich!! – na gut, ich versteh’s ja: die das sagten, wissen nichts von meiner Krankheit, aber dieses „eigentlich“ ist doch zu köstlich, finden Sie nicht auch? “
Sie hat mich angesteckt mit ihrer Heiterkeit und wir kichern eine ganze Weile vor uns hin wie Kinder, die wieder mal ein paar Erwachsene dabei erwischt haben, mit ernster Miene klugen Unsinn zu reden.
„Unsere Zeit kennt keinen Gott mehr, wir brauchen keinen“, sagt sie immer noch glucksend, „wir haben uns alle unsere Fragen selbst beantwortet.“
„Der Zeitgeist hat sich selbst gegoogelt“, erwidere ich und sie schaut jetzt etwas nachdenklich, als sie sagt:
„Ich empfinde das wie ein Vakuum. Da fehlt etwas ganz Essentielles. Es gibt eigentlich so etwas wie ein „Abendland“ gar nicht mehr, wir glauben doch nur noch an die Freiheit der digitalen Information und den Profit. Vielleicht kann man sagen, wir haben die arbaischen Flüchtlinge mit ihrem – ganz wertfrei gesprochen – noch existierenden ethisch-moralisch-religiösem Sozialverbund regelrecht gerufen, dieses Vakuum zu füllen. Das ist so …“
„Sprachlos“.
„Ja, sprachlos … wissen Sie, ich geh‘ da jetzt rein zu meinem Arzt. Er ist so rührend besorgt um mich. Er will mich unbedingt retten. Soll er auch, also, ich hab‘ nichts dagegen, aber es spricht nicht viel dafür, dass es klappt. Und dann sitzt er da und wühlt in seinen Unterlagen und dreht und windet sich und es ist ihm furchtbar unwohl. Bis ich ihm sage – und das tue ich immer wieder – dass er doch alles unternehme, was machbar sei, und dass der Rest nicht in seiner Hand liege. Dann atmet er auf und ist erleichtert.
Aber ich muss das jedesmal wiederholen. Er glaubt es von sich aus nicht. Dass wir in Gottes Hand sind, und dass uns das angstfrei machen kann, weil es die Hand der Liebe ist … für mich ist das wahr.“
„Ich glaube, wir sehen uns erst mal nur selbst“, sage ich, „und beschränken unsere Kommunikation auf das, was wir verstehen. Dass das, was wir nicht verstehen, die Kommunikation mit uns nie aufgegeben hat, das müssen wir erst erfahren, wie jetzt z.B.: wir kennen uns seit fünf Minuten und sprechen wie Vertraute über diese Dinge, ist das zu fassen?“
„Ist es nicht, mein Lieber, ist es nicht, machen Sie’s gut!“
„Sie auch, machen Sie’s auch gut, und hey, Sie! Eigentlich sind Sie ganz schön intelligent!

 

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2 Gedanken zu “Kleines Gespräch über einen vakuumverpackten Gott

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