Die Ruhe selbst

Als sich ihre Nervosität im Wartezimmer
schon hochschaukelte zur Angst,
die auf dem besten Wege in die Panik war,
als sie schon auf die Tür schielte und an Flucht dachte,
kam ihr etwas in den Sinn, es war plötzlich da,
als Gedanke, fünf Wörter nur, aber lebendig und unschuldig wie ein Neugeborenes:
„Ich bin die Ruhe selbst!“
Und in ihrer Hand sah sie den Stift, den sie bestimmt zwanzig Minuten lang zwischen ihren Fingern gedreht und gewendet  hatte, um ihre Nervosität zu lindern,
wie er ganz ruhig darin lag,
und die Hand ihn einfach barg,
und er die Hand, das war, was ihr auffiel: der Stift barg auch die Hand.
Und da wurde ihr klar, dass sie versucht hatte, den Ausgang aus der Angst allein und für sich allein zu finden, Bedingungen gestellt hatte für das Erscheinen der Ruhe.
Sie war doch im Recht damit gewesen, dachte sie noch: schließlich würde es ihr möglicherweise hier gleich an den Kragen gehen, aber lächelnd bemerkte sie, dass dieser Gedanke nicht mehr als eine kleine dunkle Wolke war, die sich vor die Sonne schieben wollte, um zu behaupten, es gebe diese nicht.
Behutsam legte sie den Stift auf den kleinen Tisch zurück, als ihr Name aufgerufen wurde, und begrüßte ihren Arzt mit ein paar freundlichen Worten, die sein Herz erwärmten.
Und hörte sich in aller Ruhe an, was er ihr zu sagen hatte.

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