Warte mal!

Gestern saß ich in einem Wartezimmer. Und wartete.

Außer mir war niemand da, obwohl es ein großes Wartezimmer war: viele leere Stühle, die auch warteten.

Ein Raum, der den Zweck hatte, in ihm auf etwas warten zu können. Es gab Wasser in Pappbechern. Kostenlos. Ich hatte keinen Durst.
Aber ich war ja doch nicht ganz allein! In die Wand eingelassen: ein Aquarium! Mit Zierfischen. Fische, die zur Zierde einer Wand da waren. In einem Raum, in dem man wartete.

Sie schwammen, was hätten sie anders tun sollen. Und zwar hin und her. Ein wenig auf und ab auch. Manchmal gaben sie plötzlich Gas, nur um sofort wieder langsam zu werden. Langsamkeit schien die angemessenere Geschwindigkeit zu sein für ihren Daseinszweck. So konnte man sie auch besser betrachten.
Sie waren sehr farbenprächtig und formschön. Eine wahre Zierde.
Manche hingen so schräg unter der Wasseroberfläche und schienen Luft zu nippen. Trotz ihrer Kiemen, die sie als Fische – Zierde hin oder her – ja hatten.

Und auch sie warteten. Definitiv! Ich konnte es ganz genau erkennen, dass sie warteten, ohne jeden Zweifel. Sie waren nicht einfach da und zierten, nein, nein! Sie warteten.
Nur auf was. Das konnte ich nicht erkennen.

Ich lächelte einen an, der besonders innig wartend und zierend Luft nippte. Vielleicht wartete er ja darauf, mal angelächelt zu werden. Er lächelte jedenfalls nicht zurück und nippte weiter. War immerhin ein Versuch.

Dann fiel ich in einen Schlaf, aus dem ich, scheint mir, immer noch nicht erwacht bin. Könnte mich mal jemand von euch wachlächeln?

 

*

14 Gedanken zu “Warte mal!

  1. Lieber Michael
    Es ist manchmal schön zu schweigen, wenn du jemanden hast mit dem du schweigen kannst .
    Und die Fische sind halt schweigsam,meistens. Das du einen Fisch angelächelt hast,finde ich großartig .Der hätte bestimmt zurück gelächelt, wenn er durfte.
    Ich glaube die haben deine Gesellschaft genossen und sind dankbar dafür,mit jemandem wie dir einige Zeiten verbringen zu dürfen.
    Liebe Grüße
    Mirso

  2. Wachlächeln ist viel schöner als jeder Wecker, insofern gerne, falls du noch immer dort versunken bist. Ob die Fische auch einen Blog betreiben und über dich berichtet haben? Könnte ich doch die Fischsprache, würde ich gerne lesen.

    1. Man kann nie wach genug werden, herzlichen Dank, liebe Marion, und „Blubb“ heißt der Blogbeitrag des Fisches, den ich so mir nichts dir nichts angelächelt habe. Er äußert darin die Ansicht, dass … tja, ich kann leider auch kein Fischisch. 🙂

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