Wörter

 

… wie niedergetretenes Gras,
vom Vorwurf unterlaufen
knicken sie ein
und ducken sich vom Licht weg ins Dunkel,
jagen Dich in Schuld und Pflicht,
im Namen dessen, was ist,
was gilt in dieser Welt:
Recht, Ordnung, Normalität, Realität.

Dir geht der Atem aus,
Du kannst nichts gegen ihre Wirklichkeit sagen,
und hörst sie doch
nach Antwort zum Himmel schreien
in ihrer sprachlosen
Niedergetretenheit:
krank, schuld, unheilbar, zu spät,
verspielt, verdammt, verurteilt,
verjagt, vertan, verloren,
gefoltert und gequält,
von allen guten Geistern verlassen.

Klang erstarrt zu Schmerz.

Ihre Spuren, die sie durch den Geist ziehen,
kreuzen sich dort, wo alles ist, was nicht mehr ist:
im Tod.
Und unaufhörlich suchen sie ihr Opfer,
Dich,
um im Namen ihrer Wirklichkeit
den Vorwurf auf Dir abzuladen:
Du bist schuld
an der Zerstörung unserer schönen Welt.

Doch mitten im Lärm
diese stille Lilie,
von der Du spürst, nein: hörst,
dass sie nie einknicken würde,
auch wenn der schwerste Stiefel über sie käme.
Woher kommt dieses Wort?
In wessen Namen vertritt es das, was ist?

Wörter wie Vogelfedern,
getragen von Dankbarkeit,
der Luft und dem Licht sich hingebend,
von der Liebe selbst
zusammengehalten in Leichtigkeit
und mit Sinn erfüllt.

Blütenlicht
winkt die Blume
dem federleichten Vogel zu,
und von der Macht dieses Grußes
richtet sich das Gras ringsumher
wieder auf.

*

 

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