Unverlorenheit

Du schienst verloren,
Mir aus dem Sinn,
Kaum noch erinnerlich,
Dass ich Dir je begegnet bin.

Siehst mich nur an,
Nach all der langen Zeit,
Als seien wir für diesen Augenblick
Erst jetzt und endlich nun bereit.

Was Dir gescheh’n,
Ich ahn‘ es, weiß es nicht,
Was immer Dich vertrieb,
Verhüllt sein Angesicht
Vor einem kleinen Funken
Unverlor’nem Licht,
Als sei die Zeit und alle ihre Fragen,
Als sei’n sie nicht.

Hast Du’s geseh’n?
Fragt zaudernd Dich mein Blick,
Ein Zweifel zwischen uns,
Und Du weichst dennoch nicht zurück.

Was ist Begegnung?
Wozu sind wir hier?
Unverloren uns zu finden
Hinter weltversperrter ewig off’ner Tür.

*

14 Gedanken zu “Unverlorenheit

  1. Das ist so fein, schön, sanft geschrieben, ich würde kein Wort dazu sagen wollen, wenn mir ein Like nicht noch tapsiger und nichts zu sagen geradezu wie ein Versäumnis erschiene.

  2. „Unverloren uns zu finden“, was gäbe es für eine bessere Beschreibung für unser Sein. Denn diese Begegnung birgt in sich die Achtsamkeit und Ehrfurcht vor dem Gegenüber. Menschenkind trifft Menschenkind.
    Ach, mein lieber Michael, was für ein kleines ganz großes Poem ist Ihnen da gelungen. Eine ganze Galaxie sehe ich darin tanzen.
    Herzliche Grüße, Ihre Käthe.

      1. Gnihihi, da ich bis dato Ihre Bonfortionössilben nur pupillig konsumiere, ist es mir nachvollziehbar wurscht, wenn Sie nicht mehr zu mir sprechen, solange Sie weiter solche Pupillenpralines schreibend servieren, mein Lieber.
        (= Wissenssicher? Ja, bei Ihnen schon!)

        1. Da find‘ ich doch glatt zu meiner Sprache zurück! Es ist mir eine besondere Ehre, liebe Käthe, wo ich doch weiß, dass Sie keinen Süßkram mögen, mit Ihnen ein Pralinchen zu teilen. Das nächste Mal schreib‘ ich vielleicht ein Käsegedicht, oder eine Obstsalatgeschichte. Einen wunderschönen Vorfrühlingsmorgen!
          ( = Michaels Wunsch für Sie! )

          1. Mich deucht, Sie könnten alles poemisieren, mein Lieber. Aber am schönsten schreiben Sie über die Liebe zu und zwischen den Menschen. Danke dafür.
            Ihnen auch einen wunderschönen Tag, hier herrscht lipperlandiengemäßes Wetter: Ruhiger Landregen aus grauer Schwere. Da ich ja Regen liebe, bleibt nur eines noch zu schreiben: Fetzt!

            1. Und Ihnen ein danke für diese Wohlbewortung. Ich will nicht aufhören, an ihn zu glauben, an diesen Funken in uns Allen, und ihn auch sehen lernen, einerseits, das ist noch nicht so schwer, aber eben auch seiner Tragfähigkeit vertrauen, das ist schon übungsbedürftiger. Schreiben hilft. Und zu hören, was Sie antworten, hilft noch mehr. Jawohl: fetzt!

  3. Dein wunderschönes Liebeslied, lieber Michael, erklingt zwischen scheinbahr zwei Menschen, die in Waarheit EINS sind. Und auch mit dem „Darumherum“ sind sie – und sind wir – EINS. Erlaubst Du mir, als Nachwörtlein ein zusätzliches Gedicht des Findens des Unverlorenen anzufügen?

    Weltvorhabenserlöschung

    Nach übergroßer Mühe bist am Ende
    Der Kraft und sinkst auf eine letzte Bank.
    Den Himmel schwärzen finst’re Wolkenwände
    Wie Krebsgeschwüre, und dein Herz ist krank.

    Gar nirgend, nimmer fandest du zu ‚r Ruhe
    Auf deiner Weltvorhaben rauem Pfad‘.
    Dich rannten deiner Wünsche eil’ge Schuhe,
    Und ‚vorwärts‘! hieß dich Sehnsuchts einz’ger Rat.

    Doch nun, als kraftlos auf die Bank sankst nieder,
    Erlischt der Wunschbrand, der voran dich trieb:
    Mit einem Male schaust das Licht du wieder,
    Wie ’s hinter nun verwehten Wolken blieb.

    Der Lärm verrauscht; die Zeit muss werden stille:
    Du schaust nur noch; zu seh’n begehrst nicht mehr.
    Und ohne Schuld folgt All der Liebe Wille:
    Der Friede ist in dir und um dich her.

    Herzliche Grüße von
    Achim.

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