Vom wiedergefundenen Anwesenden

Oh Kind,
das Du gescheitert, bevor Du Dich noch ausprobiert,
Kaum, dass ich Worte find‘,
Als ob die Sprache deinem Schicksal folgt und mit erstirbt.

So still ist die Gewalt,
so schwer zu fassen,
Erscheint gar in der Liebe wohlbehütender Gestalt,
Nicht! Mein Kind, lass‘ niemals Dich verführen,
sie zu hassen!

Mit der linken Hand sie streicheln Dich,
Während ihre rechte leise droht,
Fragen stellen sie vertrauentlich,
Als Antwort sollst Du schweigen ist ihr unerbittliches Gebot.

Räumen großmütig Dir Rechte ein,
Die sie gleich wieder vergessen,
Sagst Du „Ja“, ist’s ihnen „Nein“,
Traurig blickst Du auf den Boden, deine Qual:
nicht zu ermessen!

Schuld bist Du, nur Du!
Schreit’s stumm aus ihren Worten, ihren Gesten, ihrem Blick,
Traust Dir keinen eig’nen Schritt mehr zu,
Weichst unwillkürlich immer weiter hinter Dich zurück.

Komm‘ her, mein Kind,
Und schau‘!
Die Liebe in Dir find‘,
Vertrau‘!

Sieh‘ ihre Blicke, ihre Worte, ihre Fragen,
Sie sprechen nur von ihrer eig’nen Not,
Willst mit mir hinzuschauen wagen?
Sie finden selbst die Brücke nicht und glauben dunkel
an der Liebe Tod!

Sei’n wir uns jetzt ein kleines Licht,
Mein fremdes, wohlvertrautes Kind,
Verzweifle, ängstige Dich nicht,
Damit Sie uns erkennt, die unser Leben ist,
damit uns uns’re Liebe find‘!

*

10 Gedanken zu “Vom wiedergefundenen Anwesenden

  1. „Die Liebe in Dir find’,“

    Das Geheimniss des Glückes in fünf Wörterchen gefasst: aber das ist es! Zunächst denkt ein jedes „Kind“, Liebe sei dies von den Nächsten empfangene Gemisch aus Liebe und Angst, Begehr, Furcht, Ichsucht, Sorge, Verpflichtungen, Schuld und Tod. Aber wenn „Du“ die Liebe in Dir findest, dann ist SIE rein und heil und grenzenlos.
    Danke für dies sanfte „Wiegenlied!“, mein Lieber!

  2. Angetragene Schuld wirft einen dunklen Schatten, ihn zu erleuchten erfordert warmes, inniges Licht sichtbar zu machen. Und wenn ein Menschenkind dieses nicht eigenkräftig vermag, ist so eine Handreichung einfach grandios, mein lieber Michael. Danke für diese Worte, herzlichst, Ihre Käthe.

    1. Das ist etwas, was wir immer füreinander tun können, auch in einer solchen Situation, in der man „fremde“ Menschen beobachtet: wir können uns miteinander verbinden, geistig, liebentlich, eben an der Schuld vorbeischauen zum Kern des Anderen. Das kommt immer an, was eine kühne Behauptung ist, aber ich seh’s so.
      Herzlichen Dank, liebe Käthe!

      1. Ich weiß, fühle, was Sie meinen und spüre dem immer intensiver nach. Und mit tieferem Ausleuchten geht eine Sicherheit und Ruhe einher, als holte das Bewußtsein langsam die Sinne ein. Ich lerne immer mehr Kreise zu schließen, auf daß sich keine Spiralen, vor allem nicht abwärts strudelnde, bilden können. Und dieses tue ich nicht ausschließlich für mich selbst, es gelingt auch, Probleme anderer zu erkennen und sie handnehmend zu Lösungsansätzen zu führen.

        Ach, lieber Michael, da haben Sie einen ganzes Stück Guteinfluss daran. Ich kann Ihnen nicht genug danken. Das Feinstblaubuch ist immer wieder Inspiration und Antwortgeber. Von Herzen liebe Grüße, Ihre Käthe.

        1. Ich freu mich sehr über Ihre Worte! Bittemito ist durch Ihre Moderation ja solch ein Ort, wo viele dieser Verbindungen stattfinden, die die Eigenschaft haben, allen positive Impulse zu geben. In diesem Sinne: grüße herzlich zurück,
          Ihr Michael

  3. Beim Lesen dieser Zeilen tauchte bei mir der Begriff des „Nachnährens“ auf. So bedeutsam, dass die eigenen Schritte wieder gegangen werden können und das Licht wieder leuchten zu lassen.

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