Zornes Traum

Hörte Dich den Schwächeren verhöhnen,
Seinen Hilferuf verspotten,
Soll er doch sich an die Not gewöhnen!
Sah mit And’ren Dich zusammenrotten:

Flammen schlugen aus den Mündern,
Hass entzündete die Luft,
Dein Verstand versank in Reinkulturverkündern
Geistes pestverseuchter Gruft.

Antwort auf sein Flehen, seine Bitte,
– Und Du in erster Reihe, ganz weit vorn –
Waren dem am Boden Liegenden nur Tritte,
Da entflammte sich mein Zorn!

Malte rasend Bilder an die Wände,
Wünschte Dir den Rollentausch,
Dass versagt Dir seine Hände,
Dass Du leidest, wollt‘ mein Zornesrausch.

Merkte kaum das Licht entschwinden,
Wie es dunkel wurde um mich her,
Wollte mich dem Zorn, um wieder klar zu seh’n, entwinden,
Sank zu Boden, bleiern schwer.

Und im allerletzten Lichte
wurde ich gewahr,
Durch des Geistes traumverhang’ne Dichte,
Dass ich neben Dich und den Geschlag’nen hingesunken war,

Der jetzt aufstand, blutend noch vom Schmerzensdorn
Ging er zitternd hin zu Dir und mir und gab sein Licht,
Das uns sagte: Angst und Zorn
Lassen Euch vergessen, doch löschen können sie mich nicht!

*

 

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