Zeitfaltengeplapper

Ich befinde mich in einer Art Auszeit. Einer Zeitfalte, die ich sehr genieße, die aber auch ihre eigenen Fragen aufwirft.

Irgendwann hab ich wie viele andere mein Weltbild in Frage gestellt und begonnen, nach so etwas wie der „Wahrheit“ zu fragen. Dass auf dieser Reise so manches Schiff an den Klippen unbeantwortbarer Fragen zerschellt ist, gehört zu der Geschichte der Menschheit wie die banale Tatsache, dass wir die Frage, was denn nun „wahr“ sei, selbst beantworten müssen – weil es sonst niemand tut. Oder mit anderen Worten: weil es keine objektive Wahrheit gibt. Alles, was uns hier als „wahr“ gilt, ist das lediglich auf der Basis eines Konsenses mit anderen, sozusagen als Absprache, böse Zungen behaupten sogar, als Absprache einer kriminellen Vereinigung 😉

Ob die Sonne die Sonne ist, das ist tatsächlich auch nur eine sprachliche Einigung zwischen uns, niemand hat sie selbst dazu befragt und schon gar nicht jemanden, der darüber wirklich objektiv Auskunft geben könnte.

Aber hier sieht man schon, dass man beim Philospohieren, Wahrheitssuchen und Weltanschauen sehr schnell in Bereiche kommt, die für den Alltag höchst unpraktisch sind, und deswegen ist die ursprüngliche Philosophie (die „Liebe zur Wahrheit“ ) auch eine stark vernachlässigte Disziplin der modernen Gesellschaften geworden, vergleicht man sie mal beispielsweise mit den Angeboten der „sozialen Medien“, die ja systemimmanent und programmgemäß auf einem Denken in vorgefertigten Schablonen gründen.

Was macht man also als jemand, der aber dann doch weitersuchen will nach dieser zwar unmodernen, aber vielleicht doch existenten „Wahrheit“ ?

Man schließt sich anderen an, die ähnliche sonderbare Bedürfnisse haben. Und höchstwahrscheinlich spezialisiert man sich dann auf eine bestimmte Richtung, ein spezielles Lehrwerk, ein spirituelles Konzept, um nicht zu sagen: man fängt an, so etwas wie einer „Religion“ anzuhängen, mit Vorpredigern, Zusammenkünften, einer Gemeinde und vor allem einer innerhalb dieser Gemeinschaft akzeptierten Sprache.

Das ist nicht unbedingt schlecht, hilft anfangs jedenfalls – sofern man zufälligerweise in einem einigermaßen seriösen Kreis gelandet ist – die noch seerosenartig verschlungenen und natürlich unbeantworteten Fragen, die sich bei dieser obskuren Sportart zwangsläufig einstellen, zu formulieren und in halbwegs geordneter Form mit anderen auszutauschem. In der Hoffnung, dass sich dabei auch irgendwie die Antworten ergeben.

Das Problem für sprachempfindsame Menschen – zu denen ich mich hier mal zähle – ist, dass sie in sprachlich vorgegebenen Systemen zu wenig Nahrung finden und immerzu auch wieder raus wollen aus dem „Gesetzten“ , Vorgegebenen.

Die „Wahrheit“ – da ist sehr schnell Einigung zu erzielen – ist nichts anderes als eine allumfassende Liebe, die wir letztendlich sozusagen SIND.
Aber diese Liebe liebt eben alles – und damit sowohl meine als auch deine Sprache, mit der wir SIE sowohl verschleiern als auch sehnsuchtsvoll suchen.

Tja. Und deswegen nehm ich mir grade eine Auszeit von meinen gewöhnlichen Pfaden, auf denen ich mich Antworten sammelnd fortbewege. Und plappere hier einfach mal so frei Schnauze vor mich hin. Wenn das okay ist.

Muss ja niemand hinhören! 🙂

❤️✌️🤓🌷

 

Energiewende

Ich hab sie immer schon gerochen,
Die dunkle Energie,
Die wie beißender Rauch
Zum Sich-Abwenden zwingt.
*
Ich hab immer schon geahnt,
Dass sie ein Teil
Unserer „normalen“ Kommunikation ist,
Akzeptiert wie Alkohol in Maßen.
*
Ich hab sie als Hass unter der Haut gefühlt,
Als tödlicher Wille unter den Fassaden gespürt,
Als Entwürdigung, Ignoranz und Verlassenwerden erlebt,
Als die Fallgrube unserer Beziehung erlitten.
*
Ich hab lange nicht gewusst,
Dass diese dunkle Energie nur Angst ist,
Und ich hab noch viel länger nicht wahrhaben wollen,
Wessen Angst.
*
Ich hab lange, lange daran festgehalten,
Dass die Schuld bei dir liegt,
Und hab mich weiter abgewandt
Von dir.
*
Bis DU kamst,
Mit einem freundlichen Lächeln,
Nur um mir zu sagen,
Dass meine Angst grundlos sei.
*
Jetzt bin ich
Endlich frei,
Dich als das zu lieben,
Was du bist.
**
„Ich beurteile Menschen nicht nach den Schriften ihres Glaubens oder den Narben aus ihrer Vergangenheit. Ich umarme sie mit dem Inhalt ihres Herzens. (Dodinsky)

Schmerz lass nach!

„Schmerz lass nach!“, so hätte unser drittes Buch in der Reihe „Ein spirituelles Willkommen“ auch heißen können. Zusammen mit Gregor Geißmann habe ich mir vorgenommen, die „spirituelle Sicht“ abseits der Wellnesszonen auch auf die eher problematischen Bereiche unseres Hierseins anzuwenden.

Im ersten Buch haben wir unter anderem auf die Krankheit „Demenz“ geschaut, im zweiten auf das Phänomen „Angst“, und jetzt soll die abenteuerliche Frage beantwortet werden, ob sich allein die Änderung der eigenen Sichtweise lindernd oder gar heilend auf den „Schmerz“ auswirken kann, unabhängig davon, auf welcher Bühne er sich zeigt. Ob Knieschmerz oder Trennungsschmerz: Können wir den Widerstand gegen den „Quälgeist“ für einen Moment ablegen und damit eine Heilquelle offenlegen, die uns im Kampf gegen den Schmerz verschlossen bleibt?

Unsere Buch-Homepage: http://www.spirituelles-willkommen.de

❤️✌️🤓🌷

Ausblick ins Glück

Muss ich mal erzählen: Gestern geh ich so im Park spazieren, über die Wiese, am Teich entlang. Da hat der Sturm einen mächtigen Baum umgeweht, sie haben ihn schon auseinandergesägt. Sein gesamtes Wurzelwerk ist zu sehen, er hat es im Fallen komplett aus der Erde rausgehebelt. Beeindruckendes Bild, ich will es fotografieren, denke aber dann: Nö, heute nicht, ist mir irgendwie zu negativ, ich brauch zur Zeit andere Bilder!

In der Ferne sehe ich eine ungewöhnliche Szene: Eine alte Frau verlässt mit ihrem Rollator den Gehweg und hoppelt über die Wiese zu einem Baum, den sie offensichtlich fasziniert anschaut. Im Näherkommen seh ich, wie sie sich äußerst vorsichtig von ihrem Rollator löst, ihr Smartphone aus der Tasche holt und es langsam mit beiden Händen haltend nach oben in Richtung Baumkrone heben will. Dabei wackelt sie bedenklich und hält mit der Bewegung immer wieder inne wie ein Seiltänzer, der sich wieder kalibriert, bevor er weitergeht. Aber man sieht ihre Entschlossenheit, sie WILL dieses Foto machen! Jetzt gelingt es, sie bringt das Handy in die richtig Position – und sieht dabei für einen Moment aus wie eine junge Ballerina im Spitzentanz: federleicht, beweglich nach allen Seiten, mit allen Fasern ihres Körpers in perfektem Einklang … und es klappt, das Foto ist gemacht! Sie kommt wieder zurück in ihre gewohnte Form, wird wieder eine alte Frau, die sich zaghaft und vorsichtig zu ihrem Rollator zurücktastet.

Ich bin jetzt auf ihrer Höhe und sehe, dass sie, während ihre eine Hand nach dem Rollatorgriff sucht, mit einem überglücklichen Gesicht auf ihr Handy schaut, das sie in der anderen Hand hält.

Ich sprech sie an und frage: „Na, knospt es schon?“

„Wie bidde???“, ihr Gehör ist offenbar nicht mehr das beste. Ich wiederhole erheblich lauter:

„Sieht man schon die ersten Knospen?“

Sie schaut mich ganz milde lächelnd an, aber doch so, als hätte ich einen an der Marmel.

„Müssen Sie mal nach oben gucken!“, sagt sie und hat ja recht, blöde Frage!

Und dann stehen wir beide nebeneinander und schauen nach oben, sehen die ersten weiß-rötlichen Knospen der Kirsche und wissen, glaub ich, für diesen Moment beide, wofür wir hier in der Welt sind: Wir sind miteinander glücklich! 💖 ✌️ 🤓 🌷

 

*