Autor: Michael

Reklame, Reklame!!

Was reklamierst du denn?

Dass keiner mein Buch kauft!

Es gibt ein Buch von dir?

Wie man’s nimmt, ich hab‘ mal ein paar Erzählungen gesammelt und so eine Art Druckerei höflich gebeten, einen hübschen Umschlag drum zu machen, das kann man doch Buch nennen, oder?

Kann man, kann man! Und jetzt verkauft sich das schlecht?

Nicht so gut.

Weiß denn schon jemand, dass es da so ein Buch von dir gibt?

Nö.

Du, dann könnte es daran liegen, weißt du …!? … Äh, was schwebt dir denn so vor, wieviele willst du denn verkaufen?

Sozwanzigbissiebzigmillionen?

Ach so. Und bisher …

Keins!!!

Das nenn‘ ich eine glasklare Ausgangslage!

Du hast ja auch noch keins!

Ich wusste ja von nichts. Und außerdem: ich les‘ sowas nicht.

Wie: du liest sowas nicht! Du weißt ja gar nicht, was drinsteht!

Aber ich kenn‘ dich. Das reicht!

O.k., ich schenk‘ dir eins.

Du, also ich ….

Schon gut, ich les‘ dir mal ein Stückchen vor …

Au weia, echt schon so spät? Das gibt’s doch jetzt gar nicht! Wie kann man sich nur so verplaudern! Ich muss! Ich hab‘ doch da heute …

Dann dank‘ ich jedenfalls für das Gespräch.

Ja, ich dir auch, und alles Gute für dein Buch!

Ich werd’s ihm ausrichten. Willst du wissen, wie es ….  Schon weg. Ein Banause. Aber ein netter! Deswegen hab‘ ich ihm auch ein Exemplar heimlich in die Tasche gesteckt!

 

Sonst noch jemand hier? Hallo? Haaaalllooooo!

Nicht.

Gut, dann nutz‘ ich die Gelegenheit der Abwesenheit störender Zwischenrufe, mich mal ganz in Ruhe zu bedanken bei allen, die hier waren, und bei denen, die noch vorbeischauen werden, für alle Worte, die ausgetauscht wurden, für jede dieser Berührungen, die immer auch geschehen, wenn gesprochen, geschrieben, gedichtet wird, und die leise an etwas geheimnisvoll uns Verbindendes rühren, ob wir’s grade merken oder nicht, vor allem aber für all die freundlichen Gedanken, die sich hier begegnet sind und sich vielleicht, nein: wahrscheinlich, also ganz bestimmt noch begegnen werden und die immer so etwas wie ein Lächeln auf dieses Gemeinsame sind. Schön, dass ihr da seid!

DSCN0607aSoeren Kierkegaard hat in seinem bemerkenswerten Vorwort zu „Die Lilien auf dem Felde“ von dem „einzelnen Leser“ gesprochen, auf den seine heimliche Hoffnung gerichtet sei, dass er sich seinem Buch wohlwollend zuwenden werde.
Ein einzelner Leser ist nicht viel, wenn man ein Buch verkaufen will, aber er ist alles, wenn es sein Herz erreicht. In der also nicht mehr heimlichen, aber leisen Hoffnung auf diesen einen Leser hier das Vorwort zu meinem kleinen Erzählband:

Können wir uns einen Ort vorstellen, so weit und schön, so friedlich und harmlos, an dem wir uns einfinden, nur um einander zu sagen: „Schön, dass du da bist!“, gibt es ein Paradies unverbrüchlichen Vertrauens?
Aus einem gewissen Blickwinkel heraus betrachtet sieht es so aus, als müssten wir uns dort schon begegnet sein, denn, Hand aufs Herz: Könntest du überhaupt leben, ohne in diesen oder anderen Worten, auf die ein oder andere Weise gehört und vor allem auch geglaubt zu haben: „Es ist gut, dass du da bist“?
Erst einmal nehmen wir als selbstverständlich hin, diesen Zaubertrank des Lebens in den schönen, angenehmen Momenten unserer Begegnungen irgendwo, irgendwie aufgenommen zu haben.
Was aber ist in den Zeiten, in denen uns das Schicksal nicht auf der Sonnenseite sehen will?
Wer gibt dir dann noch dieses Elixier deiner Kraft: wenn du in Schuld gerätst, wenn Gewalt über dich kommt, gleich ob du zum Täter wirst oder die Tat erleidest, wenn Krankheit dich heimsucht oder deine Lieben dich verlassen, wenn du plötzlich zu denen gehörst, die von ihren Familien verstoßen werden oder die in der Gesellschaft keinen Platz mehr finden, wer gibt dir noch diese Medizin, wenn für dein Leid selbst die Ärzte keinen Namen mehr wissen? Wer wagt es, dir dies Wort noch zu sagen, wenn du schließlich gehen musst? Wo kommt sie eigentlich her, die Liebe, die uns hält und erst zu Menschen macht?
So viel ist sicher: Niemand von uns kann sich der Antwort auf diese Frage allein nähern, ohne den anderen. Sei willkommen, lieber Leser!
Erlebt haben wir sie wohl alle: erstaunliche Momente des Lebens, die uns – bei allem, was uns unterscheidet und trotz aller Behinderung, die wir gelegentlich füreinander sind – vom Wunder eines gemeinsamen Weges gesprochen und an eine unfassliche, all unsere Begriffe übersteigende Liebe erinnert haben.
Allzu leicht jedoch verblassen sie wieder, diese Augenblicke unmittelbarer Nähe, versinken hinter dem, was wir Realität gewohnt sind zu nennen, geraten in Vergessenheit.
Erzählen wir uns also von ihnen, auf dass sie in unserem Erinnern an Kraft gewinnen, die uns befähigt, mehr und mehr hinter die Schleier dieser Welt zu schauen und den Ort wiederzuerkennen, an dem wir einander einst gesagt haben: „Schön, dass du da bist!“

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Hurra, die Sprache lebt! -7-

SackHier mal ein Beispiel vorbildlichen Einsatzes der Sprache und glasklarer Kommunikation!
Die prägnanten Worte sind ganz in den Dienst des zu erreichenden Ziels gestellt, alles ist (hurra!) richtig geschrieben und die feinen Möglichkeiten subtil differenzierender Grammatik sind geschickt eingesetzt, um die Botschaft effektvoll zu transportieren: „Damenwelt aufgepasst und Handy gezückt! Ihr wollt nur den einen: Otto!!“
Warum viel Geld ausgeben für teure Kontaktanzeigen? Eine solche wohldurchdachte Installation vor der eigenen Haustür wird sehr viel schneller zum Erfolg führen!
Im Hintergrund wird die ausgeklügelte Strategie raffinierterweise noch durch eine Graphik unterstützt, die, während man noch liest, subcutan archaische Impulse weckt: „Anbaggern ausdrücklich erlaubt! Grabt los, unter dem Schutt meiner letzten Beziehung werdet ihr mich nach wenigen Metern finden!“
Otto, einfach genial! Ich drück‘ dir die Daumen!

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Erwartet

Mir schien’s die Tür zu eines Anderen Garten,
Und leise trat ich ein;
Doch als ich drüben, sah ich alle Dinge still nur, sah
auch den And’ren auf mich warten,
Von diesem Jenseits meiner Grenzen mir zu sagen:
es sei mein.

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Athem

Diesen Mut, den mein‘ ich, wenn der Grashalm
Zwischen Pflastersteinen seinen Weg sich
hin zum Lichte sucht,
Und sich noch verneigend vor den Stiefeln, die sich nähern,
Nur vom Wind sich beugen lässt,
Der aus der selben Kraft gespeist wie er.

Diese Träne wein‘ ich, mit dem Menschen,
Der sein Liebstes aus den Händen geben muss,
Und auf die Knie gesunken lass‘ ich sie gemeinsam mit der seinen
Dorthin fallen,
Wo Leben ewig Athem schöpft, lass‘ sie dem uferlosen Meer.

In der Liebe eint sich, was gebrochen,
Seelenlos am Boden schon zu liegen schien,
Niemals wird das Leben zwischen Dir und dem, was Du verloren glaubtest,
Niemals wird die Liebe diese Grenze zieh’n!

*