Autor: Michael

Entscheidung

Als die Dunkelheit mich schier umschloss,
Das Meer war noch zu hör’n, sein leises Rauschen,
Und alles um mich her war vager Schatten bloß,
Da blieb ich steh’n, um mir ein Licht
durch all das Dunkel zu erlauschen.

Erst wollten Angstgestalten sprechen,
Dass hier der Grund nicht sicher, der Sand,
er gebe keinen Halt,
Und alles nur ins Finst’re drohe einzubrechen,
Des Meeres sanftes Rauschen:
Bote seiner übermächtigen Gewalt.

Doch aus den Bildern wurden Fragen,
Jetzt war’s, als spräch‘ gemeinsam alles Dunkel dieser Welt:
Du solltest Angst als Antwort hinzugeben wagen,
An das Vertrau’n, das selbst die tiefste Dunkelheit
im Lichte hält.

Und aller Finsternis Gestalten,
Gebor’n aus Sorge, Schmerz und Kummer, wurden still,
Von ihrer eig’nen Kraft, die nur verdeckt, so treu gehalten,
War’n sie nun mir die Frage, der mein Innerstes
die Antwort gab: Ich will!

*

Das Wort, mal so gesehen!

Im Anfang war das Wort,
Dann war es fort,
Und wir begannen, viel zu reden,
Bezeichneten aber auch jeden
Furz als irgendwas,
machte einen Heidenspaß!
Zu guter Letzt,
Also jetzt,
Ist’s immer noch dort,
Das Wort,
Wo’s hingehört,
Auch wenn’s uns stört,
Und sagt es dem, der’s hören will:
Sei doch bitte kurz mal still!

*

Geheimniskrämerei

 

onelovelyblogaward

Es ist ein höchst geheimnisvolles Mirakel: die Queen of Findesatz ( https://mbeyersreuber.wordpress.com/ ), die hochwertgeschätzte Marion, hat es nicht nur unlängst geschafft, mich – einen in dieser Hinsicht eher störrischen Esel – zur Beantwortung von Award-Fragen zu bewegen, diesmal scheint sie wieder erfolgreich zu werden mit dem Ansinnen, mir „sieben kleine Geheimnisse“ zu entlocken. Scheint! Sage ich und da schreib‘ ja schon los! Du hast wieder gewonnen, Marion, wie machst du das nur? Ist Zauberei im Spiel? Das bleibt wohl ein Rätsel! 🙂

Nr.1)  Es ist kein Geheimnis: Trotz einer veritablen und gesellschaftliche Hochachtung versprechenden Ausbildung verdiene ich die Kröten, die notwendig sind, um nicht als Dauercamper im Park unangenehm aufzufallen, seit vielen Jahren mit Taxifahren. Geheimnisvoll daran sind eher die Fragen und Assoziationen, die viele  Leute so haben, wenn sie wissen wollen, wie es dazu gekommen ist. Nicht von ungefähr bin ich zu einem leidenschaftlichen Philosophen geworden! Wir sollten wieder lernen, dass unsere reflexhaften Beurteilungsraster und Fragen aus unserem selbstkonstruierten Universum kommen. Und dann erst können wir etwas lernen, was zu üben – ich würde fast sagen: auszuüben – ich reichlich Gelegenheit habe. Zuhören. Man erfährt etwas vom immer letzten Endes wunderbaren Geheimnis des Anderen.
Geht das durch als Geheimnis Nr.1?

Nr.2)  Schwieriger wird es mit diesem dunklen Geheimnis: Ich krümle beim Keksessen!
Dies ist deshalb ein schwieriges Geheimnis, weil es sich dabei bis dato lediglich um eine Behauptung meiner lieben Frau handelt, eine Art These, die noch des endgültigen Beweises harrt! Ich selbst halte mich eher für einen Standardnormalkrümler, der sich in der statistischen Gauß-Normalverteilungskurve sowas von mittig vorfände, dass eigentlich schon von einem Nichtkrümler gesprochen werden müsste!
Die Tatsache, dass ich – und hier bekenne ich mich – nicht die präventive Saugtechnik beim Abbeißen anwende, was mir durchaus zum Vorwurf gemacht wird, zeigt m.E. nur mein Selbstvertrauen in die eigene Fähigkeit, auch ohne solche Anfängerbehelfe krümelfrei abzubeißen.
Die Wahrheit bleibt in dieser Sache bis auf weiteres ein Geheimnis!

Nr.3) Ich besitze seit zehn Jahren kein Fernsehgerät mehr. Wenn du bei deinem Gegenüber ein Kopfschütteln auslösen willst, sag‘ ihm, dass du keinen Fernseher besitzt. Das glaub‘ ich nicht. Echt? Wie geht das? Geht das? Überhaupt? Rätselhaft!
Geht supergut! Herrlich unbekloppte Abende. Wenn es wieder nur ARD und ZDF gibt mit den Original-Mainzelmännchen, Karlheinz Köpke die Nachrichten verliest und vor jeder Sendung stolz „in Farbe“ erscheint, steig‘ ich wieder ein!

Nr.4) Ich bin ein geradezu besessener Autobahnraststättenebenmaleinkäffchenzieher, welcher zwar nie schmeckt, aber tiefsitzende romantische Gefühle in mir befriedigt, sofern er beim Weiterfahren und nicht etwa auf der Raststätte getrunken wird.
Die jeweiligen Reaktionen meiner geliebten Frau, die bereits bei Geheimnis Nr.2 Erwähnung fand, möchte ich erst unter „Geheimnis Nr.8“ offenbaren, um den geneigten Leser bei der Beurteilung des Krümelgeheimnisses nicht unnötigerweise gegen mich einzunehmen.

Nr.5) Ich bin gerne albern. Aber das ist ja nun gar kein Geheimnis!

Nr.6) Wenn ich heute an meine Eltern zurückdenke – also da gab es natürlich auch Konflikte, als man ihrer Welt so langsam entwandert ist – wenn ich heute an sie denke, bemerke ich: da ist einfach nur noch hundert Prozent Zuneigung. Und ich meine damit nicht, dass da eine Verklärung eingetreten ist, eine rosarote Brille aufgesetzt wurde, ganz im Gegenteil, ganz wörtlich: da IST nur noch Zuneigung. Wo ist der andere Kram hin? Ich sag‘ mal: er ist im besten Sinn gestorben: du weißt, er war nie wirklich da.
Mannomann, das ist jetzt aber mein absolutes Lieblingsgeheimnis, das ich hier preisgebe, ich bitte, gut damit umzugehen! Was würde ich gerne jedem, der mit irgendwem in irgend einem Streit liegt, davon erzählen!

Nr.7) Moment mal …. …. nein … ich versuch’s noch mal ….  nein, sorry, Arm zu kurz, ich komm‘ nicht ran, Nr.7 ist zu tief, ein echt tiefes Geheimnis! Vielleicht beim nächsten Mal!

Tschüß, Ihr Lieben!

*

Ungebrochen

An eines Wintertages frühem Morgen,
Kalt ist’s, unendlich rein die Luft, so ruhig und klar,
Steht ein Knabe an dem kleinen See im Park,
Kaum wissend, wie er hergekommen war.

Er sieht das Eis: zu zart, um ihn zu tragen,
Schon nimmt er einen Stein, um’s so zu brechen,
Doch hält er ihn im letzten Augenblick zurück,
Erinnert an ein einst gegebenes Versprechen.

Verriet den Freund, der sich auf ihn verlassen,
Entkam der Strafe, die gänzlich auf den Andren fiel,
War seit dem nie mehr der unbefang’ne Knabe,
Und wurde einsam, selbst sich fremd und still.

Steht da und sieht das Eis mit hell’rem Auge,
Hauchschön geformt von Wellen und vom Wind,
Erneuert das dem Freund gegebene Versprechen,
Nicht mehr der Knabe, der er war, doch endlich wieder Kind.

*

Schneegeheimnis

Oh Zauber, wenn es schneit,
Himmels glitzernde Geschenke, unendlich leise,
Zart und schön, weh’n erste Flocken zu mir her,
Wie im Moment gebor’n, doch lang‘ war ihre Reise:

Erinnerst Du, wie Du als Kind,
Als Deine Ohren hörten noch, gestaunt,
Als wir vom Wunder uns’rer Herkunft Dir,
Als wir Geheimnisse Dir zugeraunt?

Und als der Schnee bedeckt das Grau der Straße,
Ist’s, als ob nie Krieg und Kampf gewesen sei,
Da wird’s ganz ruhig in mir und ich entsinne
Die Zeit, als ich noch heil, und dass sie nicht vorbei.

*

Echt schaaf!

Sagt MamaSchaf zu KindSchaf: „Schlaf!“
Und dieses, brav,
Fragt: „Ob ich das noch eben lesen darf?“
Doch MamaSchaf hat selber Schlafbedarf,
Und löscht das Licht,
Das reimt sich leider nicht
Auf Schaf, so wird das nie ein richtiges Gedicht,
Und ungelesen wegen schlechter Sicht!!

*

Clubleben

Ich gehe manchmal in die Kirche. Regelmäßig, wenn ich aus meinem Körperertüchtigungsundquälclub komme, der an einer sechsspurigen Hauptverkehrsstraße gelegen ist, genau dem „Michel“ gegenüber, einer unserer Hauptkirchen und Wahrzeichen der Stadt Hamburg. Dann gehe ich ein paar hundert Meter durch den  brüllenden Verkehrslärm, nein, nicht nach gegenüber zum Michel, ich bleibe diesseits und gelange so zu dessen kleinem Bruder, dem „Kleinen Michel“, einer der wenigen katholischen Kirchen hier. Tür auf, Tür zu, und dann diese Stille. Und heute, als ich da herauskomme – und das will ich jetzt einfach mal erzählen, es darf weitergeklickt werden – da kommt gerade ein etwa vierzigjähriger Mann vorbei, sieht mich aus der Kirche kommen und fragt: „Na, Gott gefunden?“, und ich: „Nein, aber Er mich!“ Er tippt sich an die Stirn und sagt weitergehend in verächtlichem Ton: „Spinner!“
Also gut. Das hat mich natürlich beschäftigt. Da wurde ja doch einiges verhandelt. Irgendwie kann ich die Emotion des Mannes nachvollziehen, er war bestimmt nicht in einem sehr ausgewogenen Gefühlszustand, sieht einen Mann im arbeitsfähigen Alter aus einer Kirche kommen und tippt sich an die Stirn: nichts Besseres zu tun?
Trotzdem, es bleibt mir eine kleine Traurigkeit: ich hatte ja ernsthaft geantwortet, ja, ich denke schon. Man hat so selten Gelegenheit, sich bei diesem Thema wirklich zu erklären. Und „wirklich“, das hieße in offene Ohren hinein.
„Gott“, „Kirche“, „Glaube“, lassen wir’s lieber! Also ich lasse es nicht, so viel ist sicher, aber der Austausch darüber, Himmel die Berge! Ich meine mit Austausch wahren Austausch, ich meine also Gespräch, und nicht den terminologischen Disput zwischen konkurrierenden Clubs: den Christen, Moslems, Buddhisten, den Philosophen und Esoterikern, diese weltanschaulichen Debatten, die ja nicht selten zum Kriegerischen hin tendieren, und die mir offen gesprochen gründlich zum Hals heraushängen: members only!
Als Kind hab‘ ich schon immer gedacht: Wenn es Gott gibt, dann für alle, sonst gibt es Ihn eben nicht. Und das gilt auch für die, die niemals einen Blick in die Bibel werfen, und das auch in Zukunft nie tun werden, oder den Koran nie gelesen haben, oder die, die gar nicht lesen können, was ist mit denen? Und für die sogenannten Atheisten muss das gerade gelten, die doch nur aus gutem Grund „nein“ sagen, weil sie sich nämlich lieber auf ihren Verstand als auf eine der unzähligen Interpretationen von „Allah“  ( = Der Eine Gott ) berufen.
Insofern bin ich auch ein Atheist!
Für mich ist „Gott“ ein Wort, das wir brauchen, um überhaupt von diesem Ort, dieser inneren Wahrheit in uns sprechen zu können, die uninterpretierbar, weil nur als Wahrheit erfahrbar ist.
Jetzt ist da schon wieder ein neues Wort fürs Selbe: „innere Wahrheit“: Hilfswörter der Suchenden, und Hilfsvariationen, um sich eben nicht von einem Namen wie „Gott“ in eine spezielle Vorstellungswelt einfangen zu lassen und dadurch wegzukommen von der Erfahrung, die gemacht werden muss. Andere sagen anders, haben andere Wörter, andere Hilfsmittel, ich finde das wunderbar: das Absolute will von allen Erscheinungen dieser Welt umkreist werden, um in Seinem Eigenen Licht gesehen zu werden.
Am gernsten (!) sag‘ ich „Liebe“ dazu. Aber meist nur so für mich. Da löst man in der Regel einen Sturm von persönlichen Assoziationen aus, wenn man Gott „die Liebe“ nennt. Unsere Wörter sind eben Deutungen, damit müssen wir leben. Ich lebe inzwischen gern damit, weil ich mir die einfache Frage stelle: worauf deuten sie denn eigentlich?
Trotzdem: Liebe. Das schönste Wort dafür, und ganz sicher, ich hol‘ mal Luft und sage: das wahrste.
Ich meine, wer „Gott“ nicht ganz verstanden hat, der erklärt ihn Dir. Der Ihn verstanden hat, nimmt Ihn an, so wie Er ist, und gibt Ihn Dir. Schon wieder Liebe, ich hör‘ jetzt auf damit! Oder nein: ich sage noch: diese Art Liebe.
Das wäre meine Formel. Du kannst ihn nicht finden, aber Er hat uns schon gefunden, hat uns nie verloren, das ist für mich „Wahrheit“.
Ich sag‘ das mal so offen hier, auch als Bekenntnis meines Glaubens, weil mir heute einerseits dieser Mann leidgetan hat, der noch an „Spinner“ glauben muss, weil er eine gewisse Verwirrung darüber, was wir im Innersten sind, offensichtlich mir und damit sich nicht eingesteht und damit auch nicht auf einen Weg aus der Verwirrung heraus, zurück in seine …, vertrauen gelernt zu haben scheint. Und weil das eine Gelegenheit für mich ist, jenseits aller Clubs kurz von einer Etappe meines Weges „dorthin zurück“ zu berichten: Tür auf, Tür zu, und dann diese Stille. Ich hab‘ Ihn nicht gefunden, aber Er mich, darin liegt für mich die Wahrheit.

*