Autor: Michael

Danke!

Erstaunlich viele Leser hat mein kleines blaues Buch gefunden, seit es erschienen ist, und dafür möchte ich mich auch hier bedanken. Vor allem aber für die Antworten, die ich auf die ein oder andere Weise erhalten habe. Man schreibt ja immer letztlich aus der eigenen Weltsicht heraus, und Lesarten gibt es so viele wie es Leser gibt. Es hat mich zutiefst gefreut, zu merken, dass meine innere Absicht, das, was ich mit den Geschichten eben nicht abstrakt, sondern aus dem Erleben heraus sagen will, offensichtlich bei Vielen angekommen ist. Es waren auch Leser dabei, die ihr letztes Buch vor 20 Jahren gelesen haben, und auch da glaube ich, aus den Antworten ablesen zu können, dass ich sie berührt habe an dieser eigenartigen Stelle in uns, die oft als „wunder Punkt“ weh tut, an der aber ebenso der tiefste Trost zu finden ist, niemals alleingelassen zu sein.
Das ist etwas sehr Schönes für mich, eine wundervolle Erfahrung. Aus dem einen Leser, den ich mir erhofft hatte, sind ein paar mehr geworden! Ich bin sehr gerührt, ganz herzlichen Dank!

Michael

 

*

Unsäglich wahr

Ich möcht‘ Dir etwas sagen,
Wofür es viele Wörter gibt,
Bilder, Gleichnisse und Lieder,
Die ganze Welt scheint sich um das zu dreh’n,
wovon zu sprechen es mich drängt,
Doch läuft das schönste Wort noch dem,
was ich Dir sagen will, zuwider.

Es wär‘ wohl kaum zu glauben,
Sagt‘ ich: längst vor der Zeit
Sei mir Dein Name schon genannt,
Wir seiens’s  vielleicht selbst, die Zeit und Raum,
die ganze Welt erfanden …
Und doch – als Du zur Tür hereingekommen,
hab‘ ich gleich Dich,
ewig mir schon nah, erkannt.

Ich möcht‘ Dir etwas sagen,
Wofür es keine Worte gibt,
Die nicht den Sinn sich beugen,
So geb‘ ich still Dir nur zurück, was Du
mir lächelnd mitgebracht,
Soll meine Freude, dass du bei mir bist,
was ich Dir sagen will, bezeugen!

*

Hör‘ doch!

„Redest du mit Bäumen?“
Fragt der strenge Herr das Kind,
Das kleine Mädchen schaut ihn lange an …
„Weil doch Bäume Lebewesen sind!“

„Und was hat der Baum gesagt?“
Schmunzelt klug der welterfahr’ne Mann,
Das Mädchen mit den großen Augen
Schaut ihn staunend, schaut ihn mit dem Herzen an.

Leise schüttelt sich des Baumes Krone,
Herbstlich bunte Blätter segeln abwärts mit dem Wind,
Ängstlich blickt der Mann nach oben,
Wie zur Antwort ihm entgegen lächelt freundlich jetzt
das Kind.

*

Weggabelung

Waffen für die Guten,
Wehrhaft zielt der Hass und siegessicher auf den Feind.
Bringt den Tod mit blütenweißen Argumenten,
Und schickt uns lächelnd in den Krieg, unter der Fahne der Gerechtigkeit vereint.

Mensch, wem folgst Du da?
Bist Du sicher, dass Du weißt, auf wen du zielst?
Mensch, von diesem Wahnsinn glaubst du, er sei wahr?
Weißt Du denn wirklich, was Du willst?

Friede meinem Geist, der glauben lernte,
Tod zu geben sichere mein Leben!
Friede meinem Herzen, das den Mut verlor,
An aller Angst vorbei dem Bruder meine Hand und Leben nur zu geben!

*

Ganz allein

Seh‘ ich Dich steh’n am Wegesrand,
Zart und schön, so ganz allein,
Morgentau webt Dir ein feines Kleid,
Und leise strömt Dein Duft in lichtdurchhauchten Nebel ein.

Bleib‘ ich vor Ehrfurcht steh’n und Staunen,
Möcht‘ näher Dir zu kommen auf die Knie,
Mehr ist’s als nur Du und ich
an diesem Morgen:
Solch ein Athmen wie aus Einem sah ich nie!

*

Schreibfederbewegtheit

Schreiben ‌ist wie Athmen mit dem Geist,
Offen steh’n die Fenster dieser Welt,
Ein sanfter Wind weht alles an, von dem du glaubst:
du weißt,
Und Wahrheit still sich neben dich gesellt.

*